direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Dreckschleudern im Büro

Der Feinstaub aus Laserdruckern stammt nicht vom Toner

 

Laserdrucker belasten die Raumluft mit hohen Mengen an Feinstaub, doch dieser besteht nicht aus Tonerpartikeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertenrunde, die sich am Dienstag im Bundesamt für  Risikobewertung(BfR) in Berlin traf. Arbeitsmediziner und Toxikologen diskutierten dabei den Entwurf einer Pilotstudie, die der Frage nachging, ob es eine Zusammenhang zwischen Staub-Emissionen aus Druckern und Gesundheitsbeschwerden bei Büroangestellten gibt.

Toxikologen der Universität Gießen untersuchten im Auftrag der BfR Druckerstäube unter dem Elektronenmikroskop. Zwar stieg die Feinstaub-Belastung bei Inbetriebnahme der Geräte deutlich an, in der Abluft befand sich jedoch kaum Tonerstaub. "Woraus sich der Feinstaub aus Druckern stattdessen zusammensetzt, ist noch nicht entgültig geklärt" sagt Irene Lukassowitz vom BfR.
Die Expertenrunde hält es für möglich, dass der Großteil der Feinstäube aus flüchtigen Substanzen besteht, die beim Erwärmen des Gerätes frei werden. Ein geringer Teil stamme womöglich auch aus Silikonöl, das als Schmiermittel in den Druckern enthalten sei, sowie aus Abrieb von Papier und Druckwalzen.
Das bestätigt frühere Messungen des Fraunhofer Wilhlem-Klauditz-Instituts in Braunschweig. Die Chemiker entfernten die Tonerkassetten aus Druckern und maßen dennoch eine hohe Feinstaub-Belastung in der Raumluft.

Die Forscher untersuchten auch 43 Büroangestellte, die unter Kopfschmerzen, Atemnot oder Schleimhautreizungen litten und diese Gesundheitsbeschwerden auf Feinstäube aus Laserdruckern zurückführten. "Es dürfte tatsächlich eine schwache Verbindung zwischen Druckerstaub und einer erhöhten Schleimhautirritabilität  geben." sagte Irene Lukassowitz. Bei den anderen Beeinträchtigungen habe sich jedoch kein Zusammenhang mit Feinstaub aus Druckern ergeben. "Die Expertenrunde ist sich darin einig, dass die geringe Anzahl an Probanden in der Pilotstudie es nicht zulässt, die gesundheitlichen Auswirkungen der Stäube zu beurteilen." sagt Lukassowitz. Der Abschlussbericht der Studie soll Ende dieses Jahres veröffentlicht werden. Dann seien weitere Untersuchungen nötig, um das Risiko von Druckerstaub einschätzen zu können.

Bis dahin rät das BfR vorsorglich, Laserdrucker und Fotokopierer bei häufigem Betrieb nur in separaten Räumen mit guter Lüftung zu betreiben. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund empfiehlt außerdem, beim Kauf von Druckern auf das Gütesiegel "Blauer Engel" und auf das "BG-Prüfzert-Zeichen" zu achten. Der Toner sollte sich zudem wechseln lassen, ohne dass man das Pulver berühren muss. Kassettensysteme seien daher Umfüllsystemen vorzuziehen.

Die Staubemissionen sämtlicher Druckermodelle auf dem Markt aufzulisten, davon hält die Expertenrunde hingegen nicht. Es gebe große Unterschiede sogar zwischen einzelnen Geräten desselben Modells. Das hat auch eine australische Studie im August gezeigt. Auch eine regelmäßige Wartung und Reinigung dürfte nach Ansicht des BfR eine wichtige Rolle spielen.

MARTIN KOTYNEK

Süddeutsche Zeitung, 17.10.2007, S. 20

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe